Am Mittwoch, 10. September, findet auf dem Schlossplatz in Stuttgart ein besonderer Aktionstag statt. Anlass ist der Welttag der Suizidprävention. Allein 2023 nahmen sich in Baden-Württemberg 1378 Menschen das Leben, in Stuttgart waren es 72. Damit starben bundesweit 10.381 Personen durch Suizid. Diese Zahl liegt fast viermal höher als die Todesfälle durch Verkehrsunfälle.
Inhaltsverzeichnis:
- Christa Wenzelburger und Arbeitskreis Leben Stuttgart
- Schlossplatz Stuttgart mit Stellwänden und Aktionen
- Ute Lewitzka und Risikofaktoren
- Hilfsangebote in Stuttgart
Christa Wenzelburger und Arbeitskreis Leben Stuttgart
Die Veranstaltung wird vom Arbeitskreis Leben (AKL) Stuttgart gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Telefon-Seelsorge organisiert. Zwischen 10 und 15 Uhr stehen Fachleute auf dem Schlossplatz für Gespräche zur Verfügung. Christa Wenzelburger vom AKL betont, dass die Ausmaße der Suizidproblematik zu selten in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Aufmerksamkeit erlangte das Thema zuletzt durch den Suizidversuch des Unternehmers Wolfgang Grupp.
Die Organisatoren wollen mit dem Motto „Ich kann nicht mehr – Darüber reden kann Leben retten“ Mut machen. Ziel ist es, das Tabu zu brechen und Betroffene zu ermuntern, offen über ihre Krisen zu sprechen. Erfahrungsgemäß ist dies ein entscheidender Schritt, um Hilfe zu ermöglichen.
Schlossplatz Stuttgart mit Stellwänden und Aktionen
Auf dem Schlossplatz stehen zwei große Stellwände.
- Auf der einen werden Ursachen gesammelt, die Menschen in suizidale Krisen führen können.
- Auf der anderen werden Auswege aus solchen Situationen dargestellt.
Für die 72 Verstorbenen aus Stuttgart im Jahr 2023 werden T-Shirts ausgelegt. Außerdem können Besucher Kerzen mitnehmen und diese abends um 20 Uhr ins Fenster stellen, um an die weltweit Verstorbenen zu erinnern.
Ute Lewitzka und Risikofaktoren
Laut dem AKL haben 80 Prozent der Menschen in Deutschland in belastenden Lebenssituationen schon einmal Suizidgedanken gehabt. Ute Lewitzka, Professorin für Suizidologie an der Goethe-Universität Frankfurt, weist auf klare Risikofaktoren hin:
- eine Traumatisierung in der frühen Kindheit
- eine Depression
- das Geschlecht
Der überwiegende Teil der Suizidopfer sind Männer. Lewitzka führt dies auch auf gesellschaftliche Rollenbilder zurück, die keine Schwäche zulassen. Manchmal entwickeln sich Gedanken ohne erkennbaren Auslöser, manchmal genügt ein einzelnes Ereignis, um eine Krise auszulösen.
Hilfsangebote in Stuttgart
Wer sich in einer akuten Krise befindet, sollte sofort Hilfe suchen. In Stuttgart stehen verschiedene Stellen kostenfrei und anonym zur Verfügung:
- Telefon-Seelsorge: 08 00 / 111 0 111 oder 08 00 / 111 0 222, online.telefonseelsorge.de
- Arbeitskreis Leben Stuttgart (AKL), Römerstraße 32, Tel. 07 11 / 60 06 20, www.ak-leben.de
- Psychologische Beratungsstellen der Evangelischen Kirche, u. a. Augustenstraße 39 b, Tel. 07 11 / 66 95 90
- Ruf und Rat – Beratungsstelle der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Hospitalstraße 26, Tel. 07 11 / 2 26 20 55
- Klinikum Stuttgart, Zentrum für Seelische Gesundheit, Prießnitzweg 24, Tel. 07 11 / 2 78-22801
Auch Angehörige und Trauernde nach Suizidfällen finden dort Unterstützung. Jede dieser Einrichtungen bietet vertrauliche Beratung und Begleitung an.
Der Aktionstag auf dem Schlossplatz soll das Schweigen brechen und Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind. Gespräche und Zuhören können Leben retten.
Quelle: Stuttgarter Zeitung