Hohe Anwaltsdichte in deutschen Großstädten
Hohe Anwaltsdichte in deutschen Großstädten, Pixabay/Foto illustrativ

Eine aktuelle Analyse von Jurafuchs und der Bundesanwaltskammer zeigt deutliche regionale Unterschiede in der Verteilung von Rechtsanwälten. Besonders in den Metropolen ist die Dichte hoch, während kleinere Städte deutlich schlechter abschneiden. Neben der Zahl der Anwälte wurden auch Faktoren wie Doktortitel und Frauenquote untersucht.

Inhaltsverzeichnis:

Frankfurt am Main führt das Ranking an

Frankfurt am Main hat mit 17,71 Anwälten pro 1.000 Einwohner die höchste Anwaltsdichte in Deutschland. Die Stadt gilt seit Jahren als Zentrum der Finanz- und Wirtschaftswelt und zieht daher viele Kanzleien an. Auf den nächsten Plätzen folgen Düsseldorf mit 14,59 und München mit 11,67 Anwälten pro 1.000 Einwohner. Überraschend stark ist auch Bad Homburg vor der Höhe vertreten, das mit 10,69 einen sehr hohen Wert erreicht.

Eine Auswahl zentraler Ergebnisse:

  1. Frankfurt am Main – 17,71 Anwälte pro 1.000 Einwohner
  2. Düsseldorf – 14,59
  3. München – 11,67
  4. Bad Homburg v.d. Höhe – 10,69
  5. Köln – 8,22

Stuttgart trotz fehlender Fakultät

Stuttgart weist 7,89 Anwälte pro 1.000 Einwohner auf, obwohl es dort keine eigene juristische Fakultät gibt. Die Nähe zur Universitätsstadt Tübingen dürfte hier eine Rolle spielen. In den Top 20 gibt es insgesamt vier Städte ohne eigene Fakultät: Bad Homburg v.d. Höhe, Stuttgart, Koblenz und Wiesbaden.

Die Spezialisierungen in Stuttgart zeigen deutliche Schwerpunkte:

  • Arbeitsrecht: 315 Anwälte
  • Bau- und Architektenrecht: 123 Anwälte
  • Familienrecht: 106 Anwälte

22,5 Prozent der Anwälte in Stuttgart führen einen Doktortitel. Nur Düsseldorf erreicht mit 22,6 Prozent einen leicht höheren Wert.

Stadt-Land-Gefälle deutlich sichtbar

Die Analyse macht ein starkes Stadt-Land-Gefälle deutlich. Während die Ballungsräume dicht besetzt sind, liegt die Anwaltsdichte in kleineren Städten sehr niedrig. In Salzgitter kommen lediglich 0,75 Anwälte auf 1.000 Einwohner. Auch Wilhelmshaven (0,86) sowie die Städte Ahlen (0,87), Stolberg (0,88) und Gladbeck (0,89) erreichen extrem niedrige Werte.

Damit zeigt sich, dass Menschen in ländlichen Regionen wesentlich länger nach rechtlicher Unterstützung suchen müssen als Bewohner großer Städte.

Frauenquote bleibt niedrig

Die Geschlechterverteilung fällt bundesweit unausgeglichen aus. Über 60 Prozent der Anwälte in Deutschland sind Männer. Nur in wenigen Städten nähert sich die Quote einem Gleichgewicht an. Sindelfingen erreicht mit 48 Prozent den höchsten Frauenanteil, gefolgt von Meerbusch mit 42,7 und Darmstadt mit 42,4 Prozent.

In den 20 Städten mit der höchsten Anwaltsdichte bewegt sich die Frauenquote meist zwischen 30 und 42 Prozent. Bad Homburg v.d. Höhe liegt mit 42 Prozent an der Spitze, während Koblenz mit 30 Prozent das Schlusslicht bildet.

 Die 20 Städte mit der höchsten Anwaltsdichte

Rang Stadt Anwälte pro 1000 Einwohner Anteil Doktortitel Frauenquote
1 Frankfurt am Main 13.390 18 20 % 39 %
2 Düsseldorf 9.025 15 23 % 38 %
3 München 17.569 12 22 % 40 %
4 Bad Homburg v.d. Höhe 606 11 19 % 42 %
5 Köln 8.421 8 18 % 38 %
6 Bonn 2.640 8 19 % 35 %
7 Stuttgart 4.836 8 23 % 36 %
8 Hamburg 13.599 7 20 % 37 %
9 Hannover 3.122 6 13 % 36 %
10 Münster 1.840 6 16 % 37 %
11 Heidelberg 914 6 19 % 35 %
12 Regensburg 885 6 11 % 39 %
13 Wiesbaden 1.561 5 12 % 36 %
14 Würzburg 696 5 14 % 34 %
15 Freiburg 1.198 5 18 % 31 %
16 Mannheim 1.587 5 18 % 34 %
17 Koblenz 564 5 12 % 30 %
18 Berlin 17.962 5 18 % 36 %
19 Erlangen 558 5 20 % 40 %
20 Passau 252 5 9 % 38 %

Namen und Titel prägen das Berufsbild

Die Auswertung zeigt, dass bestimmte Vornamen stark vertreten sind. Michael ist mit 4.464 Nennungen der häufigste Name unter Anwälten. Danach folgen Christian, Thomas, Stefan/Stephan und Andreas. Der erste weibliche Vorname, Maria, liegt erst auf Rang 14.

Von den rund 188.300 Anwälten in Deutschland tragen 29.790 einen Doktortitel. 1.082 sind sogar Professoren.

Digitalisierung als Lösung

Dr. Carl-Wendelin Neubert, Gründer von Jurafuchs, verweist auf ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen Städten und ländlichen Regionen. Er nennt die Digitalisierung der juristischen Ausbildung und der Rechtsberatung als Ansatz, um den Zugang zu juristischem Beistand künftig breiter verfügbar zu machen.

 Quelle: Stuttgarter Zeitung

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