Ermittler in Stuttgart verfolgen Cyber-Kriminelle
Ermittler in Stuttgart verfolgen Cyber-Kriminelle, Foto: Pixabay

Cyber-Angriffe auf Unternehmen und Behörden nehmen stetig zu. Der Schaden geht in die Millionen, doch Ermittler in Baden-Württemberg erzielen internationale Erfolge.

Inhaltsverzeichnis:

Prozess gegen Ukrainer in Stuttgart

Am Landgericht Stuttgart läuft seit März ein Verfahren gegen einen 45-jährigen Ukrainer. Ihm wird vorgeworfen, mit der Hacker-Gruppe REvil kooperiert zu haben. Diese Gruppierung, zuvor auch als Grand Crab bekannt, führte zahlreiche Verschlüsselungsangriffe durch. Der weltweite wirtschaftliche Schaden durch diese Attacken wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt.

In Deutschland soll die Gruppe Schäden in Höhe von 33 Millionen Euro verursacht haben. Der Schwerpunkt lag im Süden. Der Angeklagte soll für mindestens 22 Angriffe verantwortlich sein. Besonders betroffen waren die Württembergischen Staatstheater in Stuttgart. Dort entstand ein Schaden von rund 1 Million Euro. Ermittler verhinderten weitere Verluste, indem sie über 300 Unternehmen rechtzeitig warnten.

Vorgehen der Gruppe REvil

Die Angriffe folgten einem klaren Muster:

  1. Ausspähen der IT-Systeme.
  2. Eindringen in Netzwerke.
  3. Verschlüsseln der Daten durch Schadsoftware.
  4. Forderung nach Lösegeld.

Allein bei 17 Unternehmen stand die Verschlüsselung kurz bevor, als das Landeskriminalamt eingriff. Im Sommer 2024 wurde der Angeklagte in der Slowakei festgenommen. Zwei weitere Hauptverdächtige, beide russische Staatsangehörige, sind noch auf der Flucht.

Internationale Zusammenarbeit mit dem FBI

Auch andere Hackergruppen wie Hive wurden ins Visier genommen. Die Ermittlungsgruppe in Esslingen unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Daniel Lorch arbeitete eng mit dem FBI, Europol und 13 Nationen zusammen. 2023 gelang die Zerschlagung der Gruppe Hive, die weltweit Schäden in Milliardenhöhe verursacht hatte.

Ein besonders schwerer Angriff traf eine Klinik in Rio de Janeiro. Dort waren sogar lebenserhaltende Systeme betroffen. Patienten starben im Operationssaal. In Baden-Württemberg griff Hive unter anderem den Medizin Campus Bodensee an, dort jedoch ohne Todesopfer.

Professionelle Strukturen der Cybercrime-Industrie

Die Ermittler beschreiben die Strukturen der Täter als hochgradig organisiert.

Verbrechen im Auftrag
Verbrechen im Auftrag, Foto: Pexels-Pixabay
  • Schadsoftware wird von spezialisierten Entwicklern programmiert.
  • Andere Hacker übernehmen die Angriffe.
  • Es existieren Franchise-Modelle ähnlich legalen Geschäftsmodellen.
  • Crime as a Service ermöglicht es, Software gegen Gebühren weiterzugeben.

Die Gruppe REvil nutzte genau dieses Geschäftsmodell. Auch staatliche Akteure greifen laut Ermittlern auf solche Methoden zurück, um sensible Daten abzugreifen.

Lage in Baden-Württemberg

Die Dimension des Problems zeigt die Statistik.

  • Fast 15.000 Cyber-Delikte im Jahr 2024.
  • Gesamtschaden: knapp 18 Millionen Euro.
  • Aufklärungsquote: nur 36 Prozent.

Viele Firmen melden Angriffe nicht, aus Angst vor Reputationsschäden. Das Landeskriminalamt versucht, gegenzusteuern. Eine zentrale Ansprechstelle für Unternehmen und Behörden sowie eine Cybersicherheitsagentur unterstützen bei Prävention und Reaktion.

Langwierige Ermittlungen und Ausblick

Die Arbeit der Ermittler erfordert Geduld. Verfahren ziehen sich über Jahre. Der Stuttgarter Prozess gegen den Ukrainer ist seit Monaten im Gange. Ein Urteil wird nicht vor Anfang 2026 erwartet.

Trotz hoher Fallzahlen betonen Ermittler wie Daniel Lorch die Erfolge. „Crime as a Service“ verliere an Bedeutung. Viele Täter zögen sich zurück. Doch die Zahl der Angriffe steigt weiter. Ermittler in Baden-Württemberg müssen daher dauerhaft am Ball bleiben.

 Quelle: SWR

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