Das Gymnasium bleibt in Stuttgart die am häufigsten gewählte weiterführende Schulart. Am Ende des Schuljahres 2024/2025 wechselten rund 55 Prozent der Viertklässlerinnen und Viertklässler auf ein Gymnasium. Etwa 31 Prozent entschieden sich für eine Realschule. Die Zahlen zeigen eine deutliche Stuttgarter Besonderheit. Der Anteil der Übergänge auf Gymnasien liegt über dem Landeswert. Neben der Schulart beeinflusst auch die Wahl zwischen öffentlichen und privaten Schulen in Stuttgart die Entscheidung vieler Familien.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Schularten Stuttgarter Kinder wählen
- Gymnasium und Realschule im direkten Vergleich
- Welche Schulart zum Kind passt
- Schulprofile in den Stuttgarter Stadtbezirken
- Abschlüsse und spätere Bildungswege
- Anmeldung an weiterführenden Schulen
- Wichtigste Punkte zum Merken
- FAQ
Welche Schularten Stuttgarter Kinder nach der Grundschule wählen
Die Anforderungen verändern sich zugleich durch neue Schulregeln in Baden-Württemberg. Eltern sollten deshalb nicht nur auf Übergangsquoten schauen. Auch Lernverhalten, Belastbarkeit und Schulprofil sind wichtig, wenn sie Schulen in Baden-Württemberg neu bewerten.
Nach Angaben zur Modellregion Stuttgart besuchten im Schuljahr 2024/2025 insgesamt 4.138 Kinder die vierten Klassen. Rund 55 Prozent wechselten anschließend auf ein Gymnasium. Etwa 31 Prozent gingen auf eine Realschule. Gemeinschaftsschulen erreichten rund 11 Prozent. Ungefähr 3 Prozent entschieden sich für eine Werkrealschule.
Damit wählten etwa 86 Prozent der Stuttgarter Viertklässlerinnen und Viertklässler entweder ein Gymnasium oder eine Realschule. Das Gymnasium erreichte einen Vorsprung von rund 24 Prozentpunkten gegenüber der Realschule.
| Schulart | Übergänge in Stuttgart 2024/2025 | Übergänge in Baden-Württemberg 2025/2026 | Typischer Bildungsweg |
|---|---|---|---|
| Gymnasium | rund 55 Prozent | 40,5 Prozent | Allgemeine Hochschulreife |
| Realschule | rund 31 Prozent | 35,2 Prozent | Mittlerer Bildungsabschluss |
| Gemeinschaftsschule | rund 11 Prozent | 14,9 Prozent | Mehrere mögliche Abschlüsse |
| Werkreal- oder Hauptschule | rund 3 Prozent | 5,3 Prozent | Hauptschulabschluss |
Die Stuttgarter Werte und die Landeswerte stammen aus unterschiedlichen Schuljahren. Sie dürfen deshalb nicht als direkte Entwicklung innerhalb eines Jahres gelesen werden. Der Vergleich zeigt jedoch, dass das Gymnasium in Stuttgart überdurchschnittlich stark gewählt wird.
Landesweit hat sich der Abstand zwischen Gymnasium und Realschule zuletzt verkleinert. Im Schuljahr 2025/2026 wechselten in Baden-Württemberg 40,5 Prozent auf ein Gymnasium und 35,2 Prozent auf eine Realschule. Das Gymnasium blieb damit die stärkste Schulart. Die Realschule gewann gegenüber dem Vorjahr an Bedeutung.
Gymnasium und Realschule in Baden-Württemberg im direkten Vergleich
Das Gymnasium vermittelt eine vertiefte Allgemeinbildung. Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und musisch-ästhetische Fächer besitzen einen hohen Stellenwert. Der direkte Zielabschluss ist das Abitur. Die einzelnen Stuttgarter Gymnasien unterscheiden sich durch sprachliche, naturwissenschaftliche, musikalische, künstlerische oder bilinguale Profile.
Gymnasium oder Realschule
Der direkte Vergleich zeigt, welcher Lernweg besser zu den Fähigkeiten und Zielen des Kindes passen kann.
Auch nach der Realschule kann das Abitur über eine weiterführende berufliche Schule erreicht werden.
Die Realschule verbindet allgemeinbildende Inhalte mit einer stärkeren Berufsorientierung. Sie führt regulär nach Klasse 10 zum Realschulabschluss. Ein Hauptschulabschluss ist nach Klasse 9 möglich. Nach der Mittleren Reife können Jugendliche eine Ausbildung beginnen oder an eine weiterführende berufliche Schule wechseln.
Die Realschule schließt einen späteren Weg zum Abitur nicht aus. Ein Wechsel an ein Berufliches Gymnasium ist bei erfüllten Aufnahmebedingungen möglich. Auch andere schulische Anschlüsse stehen offen.
| Kriterium | Gymnasium | Realschule | Bedeutung für die Entscheidung |
|---|---|---|---|
| Hauptziel | Abitur | Mittlere Reife | Der gewünschte Bildungsweg sollte berücksichtigt werden |
| Lerntempo | Hohes Tempo und zunehmende fachliche Tiefe | Mittleres Anforderungsniveau mit differenzierten Bildungswegen | Das Kind sollte Anforderungen dauerhaft bewältigen können |
| Abschlüsse | Allgemeine Hochschulreife | Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss | Beide Wege bleiben grundsätzlich durchlässig |
| Berufsorientierung | Studien- und Berufsorientierung | Starke Vorbereitung auf Berufsausbildung und Berufliches Gymnasium | Praktische Interessen können stärker ins Gewicht fallen |
| Wahlangebote | Profile je nach Schule und Fremdsprachenfolge | Technik, Französisch oder Alltagskultur, Ernährung und Soziales | Das Angebot sollte zu Interessen und Stärken passen |
| Spätere Möglichkeiten | Studium, Ausbildung oder duales Studium | Ausbildung, Berufskolleg oder Berufliches Gymnasium | Eine frühe Entscheidung legt nicht den gesamten Lebensweg fest |
Welche Schulart zu Lernverhalten und Belastbarkeit des Kindes passt
Noten liefern wichtige Hinweise. Sie zeigen aber nicht allein, ob ein Kind am Gymnasium oder an der Realschule besser aufgehoben ist. Auch Selbstständigkeit und Konzentration wirken sich auf den Schulalltag aus.
Ein Kind kann fachlich leistungsstark sein und trotzdem mehr Zeit für neue Aufgaben benötigen. Ein anderes Kind arbeitet schnell, verliert aber bei längeren Lernphasen die Motivation. Solche Unterschiede werden nach dem Wechsel deutlicher, weil mehr Fächer, Lehrkräfte und Hausaufgaben zusammenkommen.
Bei der Entscheidung sollten Familien insbesondere folgende Fragen prüfen.
- Erfasst das Kind neue Inhalte schnell und sicher?
- Kann es Aufgaben über längere Zeit konzentriert bearbeiten?
- Arbeitet es weitgehend selbstständig?
- Wie reagiert es auf Leistungsdruck und mehrere Prüfungen?
- Welche Fächer und Lernformen wecken echtes Interesse?
- Braucht das Kind regelmäßige Anleitung oder engere Lernbegleitung?
- Wie wichtig sind Ganztagsbetreuung und ein kurzer Schulweg?
Welcher Schulweg passt?
Beantworte sechs kurze Fragen. Das Ergebnis dient als erste Orientierung für die Schulwahl.
Der Test ersetzt keine Grundschulempfehlung oder persönliche Beratung.
Die passende Schule ist nicht automatisch die Schulart mit dem höchsten Abschluss. Sie sollte ein Leistungsniveau bieten, auf dem das Kind erfolgreich lernen kann, ohne dauerhaft überfordert oder unterfordert zu sein.
Vorübergehende Schwierigkeiten müssen nicht gegen eine bestimmte Schulart sprechen. Bei erkennbaren Lücken können Angebote zur Bildungshilfe neben der Schule entlasten. Dauerhafte Überforderung ist dagegen ein wichtiges Warnsignal.
Schulprofile in Stuttgart unterscheiden sich stärker als viele Eltern erwarten
Die Wahl endet nicht mit der Entscheidung zwischen Gymnasium und Realschule. Familien müssen anschließend eine konkrete Schule auswählen. Stuttgart verfügt über zahlreiche öffentliche Schulen und Einrichtungen in freier Trägerschaft. Der städtische Schulfinder ermöglicht eine Auswahl nach Schulart, Träger, Ganztagsangebot und Stadtbezirk.
Gymnasien setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Das Dillmann-Gymnasium nennt unter anderem ein Internationales Abitur Baden-Württemberg, digitale Bildung und MINT-Angebote. Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium besitzt ein altsprachliches und musikalisches Profil. Das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium arbeitet als Kulturschule und bietet unter anderem Theater- und Musikangebote. Das Eschbach-Gymnasium nennt einen bilingualen Englischzug sowie ausgeprägte MINT-Angebote.
Auch die Stuttgarter Realschulen besitzen eigenständige Profile. Die Raichberg-Realschule bietet unter anderem Hausaufgabenbetreuung, Patenschaften und digitale Arbeit mit iPads. Die Realschule Feuerbach hebt Berufsorientierung, Bewegung und Teamarbeit hervor. Die Robert-Koch-Realschule verbindet ein musisches Profil mit beruflicher Orientierung. Die Realschule Ostheim bietet einen flexiblen Ganztag mit Lernzeit und Arbeitsgemeinschaften.
Die Beispiele zeigen die Bandbreite. Sie bilden keine Rangliste. Für eine belastbare Beliebtheitsliste einzelner Schulen fehlen öffentlich vergleichbare Anmelde- und Aufnahmedaten.
Für die Vorauswahl sind folgende Merkmale besonders nützlich.
- Sprachenfolge und bilinguale Angebote
- MINT-, Musik-, Kunst- oder Sportprofil
- Ganztagsmodell und Nachmittagsbetreuung
- Lernbegleitung und Hausaufgabenangebote
- Berufs- und Studienorientierung
- Digitale Ausstattung und Medienkonzept
- Schulweg und Erreichbarkeit mit Bus oder Bahn
- Größe der Schule und pädagogisches Konzept
Digitale Geräte allein sind kein Qualitätsnachweis. Entscheidend ist, wie sie im Unterricht eingesetzt werden. Einen breiteren Überblick bietet die Entwicklung, durch die digitale Schulen den Unterricht verändern.
Realschulabschluss und Abitur eröffnen mehrere Bildungswege
Das Gymnasium ist der direkte schulische Weg zur allgemeinen Hochschulreife. Es bereitet auf ein Studium vor. Gleichzeitig können Abiturientinnen und Abiturienten eine Berufsausbildung oder ein duales Studium wählen.
Die Realschule führt nach Klasse 10 zur Mittleren Reife. Dieser Abschluss ermöglicht den Einstieg in zahlreiche Ausbildungsberufe. Er kann außerdem zum Besuch eines Berufskollegs oder Beruflichen Gymnasiums berechtigen. Die jeweils geltenden Aufnahmebedingungen müssen erfüllt sein.
Ein Realschulabschluss beendet den Weg zum Abitur nicht. Viele Jugendliche erwerben die Hochschulreife später an einer beruflichen Schule. Dieser Weg dauert länger, kann aber gut zu Jugendlichen passen, die ihre Interessen erst in der Sekundarstufe klar entwickeln.
Auch ein Wechsel zwischen Schularten ist grundsätzlich möglich. Er hängt von Leistungen, freien Plätzen und den schulrechtlichen Voraussetzungen ab. Ein Wechsel sollte deshalb nicht als fest eingeplanter Ausweg dienen. Die Ausgangsentscheidung sollte bereits möglichst gut zum Kind passen.
Wer Umzüge oder unterschiedliche Landessysteme berücksichtigt, muss zusätzliche Unterschiede beachten. Das gilt beispielsweise beim Vergleich zwischen dem Abitur in Baden-Württemberg und Bayern.
So läuft die Anmeldung an einer weiterführenden Schule in Stuttgart
Die Anmeldung erfolgt direkt an der ausgewählten weiterführenden Schule. Nach Angaben der Landeshauptstadt kann ein Kind nur an einer einzigen Schule angemeldet werden. Die konkreten Fristen veröffentlicht die Stadt für jedes Schuljahr neu.
Bei der Anmeldung werden grundsätzlich die von der Grundschule ausgegebenen Unterlagen benötigt. Bei einem gewünschten Gymnasialbesuch ohne entsprechende Empfehlung ist zusätzlich das Ergebnis des Potenzialtests erforderlich. Auch ein Nachweis über den Masernschutz, eine ausreichende Immunität oder eine medizinische Kontraindikation ist vorzulegen.
Der Schulwahl-Fahrplan
Fünf Schritte führen von der ersten Einschätzung bis zur Anmeldung.
Lernentwicklung ansehen
Noten, Selbstständigkeit, Konzentration und Belastbarkeit gemeinsam betrachten.
Schularten vergleichen
Gymnasium, Realschule und mögliche Alternativen ohne vorschnelle Festlegung prüfen.
Stuttgarter Schulen auswählen
Profile, Ganztagsangebote, Lernbegleitung und Stadtbezirke vergleichen.
Schulen persönlich erleben
Informationsabende besuchen und Fragen zu Unterricht, Betreuung und Schulalltag stellen.
Entscheidung bestätigen
Schulweg, Empfehlung, Bildungsziel und Rückmeldung des Kindes vor der Anmeldung abgleichen.
Ein sinnvoller Entscheidungsablauf besteht aus fünf Schritten.
- Grundschulempfehlung und Lernentwicklung gemeinsam betrachten.
- Gymnasium, Realschule und mögliche Alternativen vergleichen.
- Passende Schulen über den Stuttgarter Schulfinder auswählen.
- Informationsabende und Tage der offenen Tür besuchen.
- Schulweg, Betreuung, Profil und Belastung vor der Anmeldung prüfen.
Bei einem Schulbesuch sollten Eltern nicht nur die Ausstattung ansehen. Gespräche mit Lehrkräften geben Aufschluss über Lernbegleitung und Leistungsanforderungen. Auch die Organisation des Ganztags ist wichtig. Manche Angebote sind offen. Andere gelten verbindlich für einzelne oder alle Klassen.
Die Entfernung zur Schule wirkt sich täglich aus. Ein attraktives Profil verliert an Nutzen, wenn das Kind morgens und nachmittags unverhältnismäßig lange unterwegs ist. Ein verlässlicher Schulweg kann mehr wert sein als ein einzelnes zusätzliches Wahlangebot.
Wichtigste Punkte zum Merken
- Rund 55 Prozent der Stuttgarter Viertklässler wechselten 2024/2025 auf ein Gymnasium.
- Etwa 31 Prozent entschieden sich für eine Realschule.
- Das Gymnasium ist in Stuttgart deutlich stärker vertreten als im Landesdurchschnitt.
- Die Realschule führt regulär nach Klasse 10 zur Mittleren Reife.
- Das Abitur kann auch nach der Realschule über eine berufliche Schule erreicht werden.
- Noten sind wichtig, aber Lernverhalten und Belastbarkeit zählen ebenfalls.
- Schulprofile unterscheiden sich bei Sprachen, MINT, Musik, Sport und Betreuung.
- Ein kurzer und verlässlicher Schulweg sollte in die Entscheidung einfließen.
- Die Anmeldung ist nur an einer weiterführenden Schule möglich.
In Stuttgart wählen mehr Kinder das Gymnasium als die Realschule. Die Realschule bleibt jedoch ein durchlässiger Bildungsweg mit Mittlerer Reife, Ausbildungsmöglichkeiten und einem möglichen späteren Abitur. Entscheidend sind nicht allein Übergangsquoten, sondern die Fähigkeiten, Interessen und die dauerhafte Belastbarkeit des Kindes.
Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart, Schulverwaltungsamt Stuttgart, Weiterführende Schulen 2026/2027, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Amtliche Schulstatistik 2025/2026, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, Modellregion Übergang Schule und Beruf Stuttgart.