In der Stuttgarter Wilhelma ist eine neue Anlage für Amur-Tiger eröffnet worden. Mit der Einweihung ziehen auch zwei neue Bewohner ein: das Weibchen Noïa aus Frankreich und das Männchen Amazar aus den Niederlanden. Sie sollen zur Erhaltung dieser bedrohten Tierart beitragen. Die 5.000 Quadratmeter große Anlage wurde in zweieinhalb Jahren fertiggestellt und kostete fast sieben Millionen Euro. Ab sofort können Besucher die Raubkatzen aus nächster Nähe beobachten – auch durch einen unterirdischen Tunnel.
Inhaltsverzeichnis:
- Noïa und Amazar im neuen Gehege in Stuttgart
- Zuchtprogramm für stark bedrohte Art
- Millioneninvestition für artgerechte Haltung
Noïa und Amazar im neuen Gehege in Stuttgart
Die Ankunft der beiden Tiere erfolgte bereits Ende Juni. Zunächst lebten sie zurückgezogen in hohen Ställen, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Die Anlage umfasst sechs große Boxen, einen Offenstall und eine begrünte Außenfläche mit Bäumen, Sträuchern und Stauden – angepasst an das natürliche Habitat der Tiere. Auch ein Badebereich wurde integriert.
Ein besonderes Element ist der Besuchertunnel, aus dem die Gäste die Tiger aus nächster Nähe beobachten können. Laut dem baden-württembergischen Finanzminister Danyal Bayaz ist der Tunnel besonders für Kinder ein Highlight. Ziel der Wilhelma ist es, durch bessere Sichtbarkeit das Bewusstsein für die gefährdete Art zu stärken.
Zuchtprogramm für stark bedrohte Art
Amur-Tiger gelten als die größte Unterart des Tigers. Männchen erreichen eine Länge von bis zu 2,90 Metern und ein Gewicht von 300 Kilogramm. Ursprünglich stammen sie aus dem Osten Russlands sowie angrenzenden Regionen Chinas und Nordkoreas. In den 1940er Jahren gab es weniger als 40 Tiere in freier Wildbahn. Heute leben wieder rund 360 bis 500 in der Natur – jedoch ist die Art weiter bedroht.
Die Ursachen sind vielfältig:
- Wilderei
- Verlust des Lebensraums
- Illegale Jagd auf Beutetiere der Tiger
Die Wilhelma will mit Noïa und Amazar ein langfristiges Zuchtprogramm aufbauen. Da beide Tiere noch nicht geschlechtsreif sind, wird es bis zur Nachzucht noch dauern. Das Gehege ist dafür vorbereitet: Durch Schieber lassen sich einzelne Bereiche abtrennen, sodass die Tiere bei Bedarf zusammengeführt oder getrennt gehalten werden können.
Millioneninvestition für artgerechte Haltung
Die neue Anlage wurde überwiegend durch das Finanzministerium Baden-Württemberg finanziert – mit 5,5 Millionen Euro. Der Förderverein der Wilhelma steuerte zusätzlich eine Million Euro bei. Bereits 2023 wurde mit der Terra Australis ein weiteres Großprojekt im Zoo realisiert.
Bis 2021 lebte in der Wilhelma noch eine Sumatra-Tigerin. Diese Art benötigt wärmere Bedingungen, was ein teures Warmhaus erforderte. Amur-Tiger dagegen sind an kaltes Klima angepasst, was den Betrieb der neuen Anlage wirtschaftlicher macht.
Mit der Rückkehr der Tiger beginnt für die Wilhelma ein neues Kapitel im Artenschutz. Die Kombination aus moderner Haltung, gezielter Zucht und öffentlicher Aufklärung soll den Fortbestand der Amur-Tiger sichern.
Quelle: SWR