Eine minimal-invasive Technik ermöglicht Herzoperationen ohne Öffnung des Brustbeins. Patienten profitieren von schnellerer Genesung, weniger Schmerzen und geringerem Risiko für Komplikationen.
Inhaltsverzeichnis:
- Einsatz der TCRAT-Technik im Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart
- Erste Erfahrungen von Patienten wie Eberhard Pflumm
- Geringeres Risiko und weniger Schmerzen
- Ursprung und Entwicklung der Technik
Einsatz der TCRAT-Technik im Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart
Am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart wird seit Kurzem eine neue Methode zur Bypass-Operation angewendet. Die TCRAT-Technik erfordert nur einen etwa acht Zentimeter langen Schnitt zwischen zwei Rippen. Dabei bleiben sämtliche Knochen intakt. Im Gegensatz zu der konventionellen Operation, bei der das Brustbein komplett aufgesägt wird, werden bei TCRAT lediglich Bindegewebe und Muskulatur durchtrennt. Professor Bartosz Rylski, Chefarzt der Herzchirurgie, hat diese Methode bereits rund zehn Mal erfolgreich eingesetzt. Jährlich werden in der Klinik insgesamt 700 bis 800 Bypass-Operationen durchgeführt. Er geht davon aus, dass künftig mindestens 50 Prozent davon mit der TCRAT-Technik erfolgen.
Erste Erfahrungen von Patienten wie Eberhard Pflumm
Eberhard Pflumm aus Reutlingen gehörte zu den ersten Patienten, die in Stuttgart nach dieser Methode operiert wurden. Die Operation fand Anfang Juni statt und schon nach acht Tagen konnte er das Krankenhaus verlassen. Anschließend folgte eine vierwöchige Reha. Pflumm berichtet, dass er nur leichte Narbenschmerzen verspürt und die Genesung schnell voranschritt. Im Vergleich dazu müssen Patienten, die nach der klassischen Methode operiert wurden, häufig bis zu neun Monate Einschränkungen beachten. Dazu zählen:
- kein schweres Heben
- symmetrische Bewegungen
- überwiegend Rückenlage im Bett
Geringeres Risiko und weniger Schmerzen
Laut Angaben des Robert Bosch Krankenhauses senkt die minimal-invasive Technik nicht nur das Risiko für Infektionen und Schlaganfälle, sondern reduziert auch die postoperativen Schmerzen. Professor Rylski betont, dass Patienten direkt nach der Entlassung fast alle alltäglichen Aktivitäten wieder aufnehmen können. Dennoch wird eine Reha empfohlen, um die Belastbarkeit weiter zu steigern. Im Fall eines medizinischen Notfalls während der OP kann jederzeit auf die konventionelle Methode gewechselt werden. Dafür stehen alle notwendigen Instrumente und Fachkräfte im Operationssaal bereit.
Ursprung und Entwicklung der Technik
Die TCRAT-Technik wurde von Professor Oleksandr Babliak in der Ukraine entwickelt. Sie wird bislang nur an wenigen Kliniken in Deutschland eingesetzt. Ein wichtiger Erfahrungsaustausch fand im Klinikum Fulda statt, wo seit 2019 rund 800 dieser Eingriffe durchgeführt wurden. Dort gilt die Methode mittlerweile als Routineverfahren. Im Unterschied zur älteren MIDCAB-Methode erlaubt TCRAT den Zugang zu allen Bereichen des Herzens. Durch spezielle Fixierungen an der Hauptschlagader und an zwei Venen kann der Chirurg das Herz so bewegen, dass auch Bypässe an der Herzhinterwand gesetzt werden können.
Quelle: SWR