Plötzlicher Ausfall der Schulbegleitung belastet Familien in Stuttgart
Plötzlicher Ausfall der Schulbegleitung belastet Familien in Stuttgart, Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

Von einem Tag auf den anderen stehen viele Familien in Stuttgart vor massiven organisatorischen Problemen. Betroffen sind Kinder mit Förderbedarf an sonderpädagogischen Bildungszentren sowie einzelne Inklusionsschüler an weiteren Schulen. Die Betreuung während des Unterrichts ist kurzfristig entfallen. Schulen und Eltern reagieren mit Unverständnis. Die Stadt arbeitet an Übergangslösungen, während sich die Lage im Bildungsbereich insgesamt zuspitzt, mehr hier.

Inhaltsverzeichnis

ASB und Stadt Stuttgart

Der Wegfall der Schulbegleitung betrifft bis zu 150 Schülerinnen und Schüler in Stuttgart. Am späten Mittwochnachmittag, teils erst am Abend, informierte der Träger Arbeiter-Samariter-Bund die Schulen über die Situation. Hintergrund ist die Kündigung des bestehenden Rahmenvertrags durch die Stadt Stuttgart. Ab sofort konnten die Mitarbeitenden keine Eingliederungshilfe mehr leisten. Die Information erreichte die Schulen nur etwa einen halben Tag vor dem Ausfall. Noch am selben Abend kontaktierten Schulleitungen die Eltern telefonisch.

Für viele Familien bedeutete dies eine kurzfristige Umstellung. Innerhalb weniger Stunden musste eine Betreuung zu Hause organisiert werden. Ein regulärer Schulbesuch war ohne Begleitung nicht möglich. Der Unterricht konnte faktisch nicht stattfinden, was die Diskussionen um strukturelle Veränderungen im Schulsystem weiter verschärft.

Anna Linder und Gesamtelternbeirat Stuttgart

Nach Angaben von Anna Linder sind Kinder zwar in die Schule gebracht worden, dort jedoch nicht versorgt gewesen. Die Folge war ein Ausschluss vom Unterricht. Sie erklärte, das Recht auf Bildung von Kindern mit Förderbedarf werde missachtet. Zudem sei das Vertrauen der Eltern in die Stadt erschüttert. Die Situation betreffe sowohl sonderpädagogische Einrichtungen als auch einzelne Inklusionskinder an Regelschulen.

Die Informationslage sei unzureichend gewesen. Schulen hätten erst sehr kurzfristig reagieren können. Für viele Eltern blieb keine Vorlaufzeit. Die Belastung sei erheblich gewesen.

Helene-Schöttle-Schule und Gustav-Werner-Schule

An der Helene-Schöttle-Schule sind laut Schulleiter Andreas Thiemke 61 Kinder betroffen. Er äußerte Sorgen um die Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien. Eine Perspektive fehle. Dem Bildungsauftrag könne man unter diesen Umständen nicht gerecht werden.

Auch die Gustav-Werner-Schule meldete einen unvorbereiteten Ausfall. Dort betrifft die Situation 18 Schülerinnen und Schüler. Schulleiterin Katja Kuklinski erklärte, diese Kinder hätten aus gutem Grund eine bewilligte Schulbegleitung. Intern werde nach Lösungen gesucht, um besondere Härten abzufedern, siehe hier.

Margarete-Steiff-Schule und Pflegebedarf

Marita Lang machte deutlich, dass ohne Schulbegleitung grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllt werden können. Dazu zählen Toilettengänge, Windelwechsel, Pflegehandlungen sowie Hilfe beim Essen und Trinken. Ohne entsprechendes Personal sei sowohl die Teilhabe an Bildung als auch am sozialen Leben gefährdet.

Zusätzlich hatte die Schule kurz zuvor erfahren, dass Klassenassistenzen rückwirkend zum 1. Januar nicht mehr finanziert würden. Diese Unterstützung galt als flexibel, da sie mehrere Kinder betreuen konnte. Finanziert wurden sie bislang durch das Schulverwaltungsamt.

Unstimmigkeiten zwischen Stadt Stuttgart und ASB

Die Stadt Stuttgart erklärte, man habe den Vertrag kündigen müssen. Es seien Sachverhalte bekannt geworden, die eine Fortführung nicht erlaubt hätten. Medien berichten von Abrechnungs-Unstimmigkeiten. Der ASB teilte mit, es habe im Frühsommer 2025 unterschiedliche Auffassungen zur Rechnungsstellung gegeben. Im September habe man ausführlich Stellung genommen und keine weitere Rückmeldung erhalten.

ASB-Geschäftsführer Markus Mitzenheim bezeichnete die fristlose Kündigung als ungerechtfertigt. Er kündigte an, alle Rechtsmittel auszuschöpfen. Zudem sprach er von Zahlungsrückständen der Stadt in Millionenhöhe. Auf entsprechende Anfragen habe es keine Antworten gegeben.

Neue Trägersuche und Klassenassistenzen

Die Stadt sucht nach eigenen Angaben unter Hochdruck einen neuen Träger. Ziel ist es, ab Montag wieder Betreuungsangebote bereitzustellen. An den Schulen besteht Skepsis, ob dies zuverlässig gelingt.

Parallel wurden Eltern aufgefordert, beim Sozialamt Einzelassistenzen zu beantragen. Diese müssen im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes finanziert werden. Klassenassistenzen galten hingegen als freiwillige Leistung und konnten gestrichen werden. Ob dadurch Einsparungen entstehen, konnte die Stadt derzeit nicht beantworten. Für die Margarete-Steiff-Schule wurde in direkten Gesprächen eine vorläufige Lösung in Aussicht gestellt. Die neu gestellten Anträge sollen zügig bearbeitet werden.

FAQ

Warum ist die Schulbegleitung in Stuttgart kurzfristig ausgefallen?

Die Schulbegleitung ist ausgefallen, weil die Stadt Stuttgart den bestehenden Rahmenvertrag mit dem Arbeiter-Samariter-Bund fristlos gekündigt hat. Dadurch konnten die Mitarbeitenden die Eingliederungshilfe ab sofort nicht mehr leisten.

Wie viele Schülerinnen und Schüler sind von dem Ausfall betroffen?

Nach Angaben des Gesamtelternbeirats sind bis zu 150 Schülerinnen und Schüler betroffen, darunter Kinder an sonderpädagogischen Bildungszentren sowie einzelne Inklusionskinder an anderen Schulen.

Welche Schulen in Stuttgart sind konkret betroffen?

Betroffen sind unter anderem die Helene-Schöttle-Schule mit 61 Kindern, die Gustav-Werner-Schule mit 18 Schülerinnen und Schülern sowie die Margarete-Steiff-Schule.

Welche Folgen hat der Wegfall der Schulbegleitung für die Kinder?

Ohne Schulbegleitung können viele Kinder nicht am Unterricht teilnehmen, da grundlegende Bedürfnisse wie Pflege, Unterstützung beim Essen oder Begleitung im Schulalltag nicht sichergestellt sind.

Was sagt die Stadt Stuttgart zur Kündigung des Vertrags?

Die Stadt Stuttgart erklärt, dass Sachverhalte bekannt geworden seien, die aus ihrer Sicht eine Fortführung des Vertrags mit dem ASB nicht mehr zugelassen hätten und eine sofortige Kündigung erforderlich machten.

Wie reagiert der Arbeiter-Samariter-Bund auf die Kündigung?

Der ASB hält die fristlose Kündigung für ungerechtfertigt. Geschäftsführer Markus Mitzenheim kündigte an, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, und verwies auf Zahlungsrückstände der Stadt in Millionenhöhe.

Welche Lösungen plant die Stadt Stuttgart aktuell?

Die Stadt sucht nach eigenen Angaben unter Hochdruck einen neuen Träger, um möglichst schnell wieder Betreuungsangebote für die betroffenen Schülerinnen und Schüler bereitstellen zu können.

Was müssen Eltern derzeit tun, um Unterstützung zu erhalten?

Eltern wurden aufgefordert, beim Sozialamt Anträge auf Einzelassistenzen zu stellen. Diese sollen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach dem Bundesteilhabegesetz finanziert werden.

Quelle: SWR, SN2 WORLD

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