Schüler im Unterricht als Symbol für neue Leistungsrückmeldung an Schulen in Baden-Württemberg
Neue Formen der Leistungsrückmeldung sollen Kindern genauer zeigen, wo sie im Lernprozess stehen. Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

In Baden-Württemberg wird die klassische Ziffernnote nicht überall abgeschafft, aber an ausgewählten Grundschulen wird ein anderer Weg erprobt. Beim Schulversuch Lernförderliche Leistungsrückmeldung in der Grundschule steht nicht die einzelne Note im Mittelpunkt, sondern eine regelmäßige Rückmeldung zum Lernstand, zur Entwicklung und zu den nächsten Schritten. Das Thema betrifft viele Familien in Stuttgart und im ganzen Land, weil Bewertung, Beratung und Übergang auf weiterführende Schulen eng zusammenhängen. Wer verstehen will, warum neue Schulregeln den Alltag verändern, muss deshalb nicht nur auf Zeugnisse schauen, sondern auch auf Lernentwicklungsgespräche, Kompetenzmessungen und Beratung.

Inhaltsverzeichnis

Warum Bewertung in Baden-Württemberg neu diskutiert wird

Der Wechsel von reinen Noten zu mehr Rückmeldung ist kein einfacher Bruch mit der bisherigen Schule. Vielmehr laufen in Baden-Württemberg mehrere Systeme nebeneinander. Die klassische Notengebung bleibt rechtlich geregelt, während moderne Formen der Leistungsrückmeldung an bestimmten Schulen getestet und wissenschaftlich begleitet werden.

Schulische Leistung wird in Baden-Württemberg weiterhin bewertet. Neu ist jedoch die Frage, wie stark eine einzelne Ziffer den Lernstand eines Kindes erklären kann. Besonders in der Grundschule geht es zunehmend darum, Fortschritte genauer zu beschreiben und nicht nur ein Ergebnis am Ende eines Halbjahres festzuhalten.

Der Schulversuch Lernförderliche Leistungsrückmeldung zeigt, dass moderne Bewertung nicht weniger Leistung bedeutet, sondern mehr Erklärung zur Leistung liefern soll. Kinder sollen erkennen, was sie bereits können, wo sie üben müssen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Für Eltern entsteht dadurch eine andere Art von Information. Eine Note sagt schnell, ob eine Leistung als sehr gut, befriedigend oder ausreichend gilt. Eine schriftliche oder mündliche Rückmeldung kann genauer erklären, warum das Ergebnis so ausfällt. Gerade in Familien, in denen Schule den Tagesablauf stark prägt, wird diese Unterscheidung wichtig. Dazu passt auch der Blick darauf, wie Schule Familien in Baden-Württemberg prägt.

In der Praxis geht es nicht um eine einfache Entscheidung zwischen alt und neu. Schulen müssen Leistungen vergleichbar dokumentieren. Gleichzeitig sollen Lehrkräfte Lernprozesse sichtbar machen. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zwischen Transparenz, Gerechtigkeit und individueller Förderung.

  • Ziffernnoten sind schnell verständlich und stark vergleichbar.
  • Lernrückmeldungen erklären genauer, wie eine Leistung entstanden ist.
  • Elterngespräche werden wichtiger, weil sie den Lernstand einordnen.
  • Diagnosen im Unterricht helfen, Förderbedarf früher zu erkennen.

Lernförderliche Leistungsrückmeldung an Grundschulen

Der Schulversuch Lernförderliche Leistungsrückmeldung in der Grundschule startete im Schuljahr 2022/2023 an 35 Grundschulen in Baden-Württemberg. Zum Schuljahr 2023/2024 kamen weitere acht Grundschulen hinzu. Damit sind insgesamt 43 Grundschulen beteiligt.

Mini-Test: Welche Rückmeldung hilft Ihrem Kind?

Dieser kurze Check zeigt, ob ein Kind eher klare Noten, ausführliche Erklärungen oder regelmäßige Lernschritte braucht.

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Je mehr Aussagen zutreffen, desto wichtiger ist eine lernförderliche Rückmeldung. Sie ersetzt nicht automatisch Leistung, erklärt aber genauer, wo ein Kind steht und was als Nächstes hilft.

An diesen Grundschulen erhalten die Kinder keine klassischen Ziffernnoten, sondern kontinuierliche mündliche und schriftliche Rückmeldungen zu ihren Leistungen. Grundlage sind regelmäßige Lernstandsdiagnosen. Die Rückmeldung soll nicht nur auf vergangene Leistungen blicken, sondern auch zeigen, wie der nächste Lernschritt aussehen kann.

Das Kultusministerium beschreibt diesen Ansatz mit zwei Richtungen. Einerseits geht es um Feedback zum bisherigen Lernprozess. Andererseits geht es um Feedforward, also um den Blick nach vorn. Für Kinder ist das besonders wichtig, weil sie nicht nur erfahren, was falsch war, sondern auch, wie sie besser weiterlernen können.

Mindestens am Ende jedes Schulhalbjahres wird ein Lernentwicklungsgespräch geführt. Daran nehmen Kinder und Eltern teil. Dabei wird besprochen, wo das Kind in seiner Kompetenzentwicklung steht und welche Schritte für erfolgreiches Lernen folgen sollen.

Bereich Klassische Noten Lernförderliche Rückmeldung
Form Ziffer oder verbale Zeugnisformulierung Mündliche und schriftliche Rückmeldung
Ziel Leistung zusammenfassen Lernstand erklären und nächste Schritte zeigen
Grundlage Bewertete Leistungen im Beurteilungszeitraum Regelmäßige Lernstandsdiagnosen und Unterrichtsbeobachtung
Kontakt mit Eltern Meist über Zeugnisse, Gespräche und Rückfragen Mindestens ein Lernentwicklungsgespräch pro Schulhalbjahr

Der Versuch läuft bis zum Schuljahr 2025/2026. Das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg begleitet ihn wissenschaftlich. Untersucht werden unter anderem Leistung, Motivation, Selbstkonzept und Wohlbefinden der Kinder. Auch Lehrkräfte, Eltern und Schulleitungen werden einbezogen.

Klassische Noten bleiben rechtlich wichtig

Die moderne Rückmeldung ersetzt das bestehende System nicht flächendeckend. Für die meisten Schulen und Schularten bleiben die Vorgaben der Notenbildungsverordnung zentral. Die Regierungspräsidien Baden-Württemberg weisen darauf hin, dass grundlegende Fragen der Notengebung für alle Schularten in dieser Verordnung geregelt sind.

Eine Zeugnisnote ist in Baden-Württemberg keine rein mathematische Rechnung, sondern eine pädagogisch-fachliche Gesamtbewertung. Lehrkräfte berücksichtigen dabei die im Beurteilungszeitraum erbrachten Leistungen. Sie haben einen fachlichen Beurteilungsspielraum, müssen aber rechtliche Vorgaben beachten.

Besonders wichtig ist das Transparenzgebot. Lehrkräfte müssen zu Beginn des Schuljahres mitteilen, wie verschiedene Leistungen in der Regel gewichtet werden. Dazu gehören mündliche, schriftliche und praktische Leistungen. Auf Nachfrage müssen Schülerinnen und Schüler außerdem Auskunft über den Stand ihrer mündlichen oder praktischen Leistungen bekommen können.

  1. Zu Beginn des Schuljahres muss die Gewichtung der Leistungen erklärt werden.
  2. Bei Klassenarbeiten müssen Bewertungskriterien nachvollziehbar sein.
  3. Die Zeugnisnote entsteht aus der Gesamtbewertung der Leistungen.
  4. Die pädagogische Einschätzung der Lehrkraft bleibt rechtlich bedeutsam.

Für Familien ist dieser Punkt entscheidend. Auch wenn moderne Bewertung stärker erklärt, bleibt Verbindlichkeit notwendig. Gerade beim Vergleich zwischen Schularten, beim Schulwechsel oder bei Abschlussprüfungen müssen Leistungen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Bewertungs-Kompass: Was zeigt welche Rückmeldung?

Dieser Kompass hilft Eltern, den Unterschied zwischen klassischer Note und lernförderlicher Rückmeldung schneller einzuordnen.

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Klassische Note

Sie zeigt schnell, wie eine Leistung eingeordnet wird. Für den Lernweg liefert sie aber oft wenig Erklärung.

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Lernrückmeldung

Sie beschreibt Stärken, Lücken und nächste Schritte. Dadurch wird Lernen für Kinder greifbarer.

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Elterngespräch

Im Gespräch wird sichtbar, ob ein Kind Unterstützung braucht oder bereits sicher weiterlernen kann.

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Schulwechsel

Beim Übergang zählt nicht nur ein einzelnes Ergebnis, sondern die gesamte Entwicklung des Kindes.

Kurzfazit öffnen

Noten bleiben wichtig für Vergleichbarkeit. Lernförderliche Rückmeldungen helfen zusätzlich, Leistungen besser zu verstehen und gezielter weiterzulernen.

Übergang auf weiterführende Schulen wird breiter bewertet

Der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule ist in Baden-Württemberg ein besonders sensibler Punkt. Hier entscheidet nicht nur eine einzelne Zahl über den weiteren Bildungsweg. Das neue Aufnahmeverfahren in Klasse 4, NAVi 4 BW, verbindet mehrere Elemente.

Zur Orientierung gehören Informationsveranstaltungen, die Kompetenzmessung Kompass 4, Gespräche mit Klassenlehrkräften, die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz, der Elternwille und bei Bedarf zusätzliche Beratung. Für die Aufnahme in ein Gymnasium müssen das Ergebnis von Kompass 4 und oder die pädagogische Gesamtwürdigung für diesen Weg sprechen. Andernfalls kann ein Potenzialtest entscheidend werden.

Damit wird die Leistungsbewertung am Ende der Grundschule breiter angelegt, ohne dass Leistung als Kriterium verschwindet. Das System kombiniert messbare Ergebnisse, pädagogische Beobachtung und Beratung.

Element Bedeutung für Familien Worauf Eltern achten sollten
Kompass 4 Zeigt den Leistungsstand in zentralen Bereichen Rückmeldung genau lesen und mit Lehrkräften besprechen
Klassenkonferenz Berücksichtigt die pädagogische Gesamtwürdigung Nicht nur einzelne Klassenarbeiten betrachten
Elternwille Fließt in die Entscheidung ein Wunsch mit Belastbarkeit und Lernstand abgleichen
Potenzialtest Kann bei fehlender Gymnasialempfehlung relevant werden Fristen und Hinweise der Schule beachten

Für Stuttgart ist diese Entwicklung besonders relevant, weil Familien hier zwischen verschiedenen Schulformen, Profilen und Trägern wählen. Der Vergleich zwischen öffentlichen oder privaten Schulen in Stuttgart wird dadurch nicht nur zu einer Standortfrage, sondern auch zu einer Frage der Lernkultur.

Was Eltern und Schüler in Stuttgart beachten sollten

Eltern sollten bei moderner Leistungsbewertung genauer nachfragen. Eine Rückmeldung ohne Ziffer ist nicht automatisch weicher. Sie kann sogar anspruchsvoller sein, weil sie konkrete Erwartungen sichtbar macht. Entscheidend ist, ob Kinder verstehen, woran sie arbeiten sollen.

Auch für Schülerinnen und Schüler verändert sich der Blick auf Leistung. Wer nur auf die nächste Note wartet, denkt oft kurzfristig. Wer regelmäßig Rückmeldung bekommt, kann Lernschritte früher anpassen. Das setzt aber voraus, dass Rückmeldungen klar, verständlich und regelmäßig erfolgen.

Schülerin lernt online zu Hause als Beispiel für digitale Bildung in Baden-Württemberg
Digitale Lernformen ergänzen den Schulalltag, ersetzen aber nicht das persönliche Gespräch über Fortschritte. Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

Digitale Systeme können diesen Prozess unterstützen, ersetzen aber nicht das Gespräch. Lernstände, Aufgaben und Rückmeldungen werden im Schulalltag zunehmend digital organisiert. Deshalb lohnt sich der Blick darauf, wie digitale Bildung zum Alltag wird.

Für Familien mit schulischen Belastungen ist Transparenz besonders wichtig. Wenn Noten, Rückmeldungen oder Empfehlungen unklar wirken, sollten Eltern früh das Gespräch suchen. Das gilt auch bei längeren Fehlzeiten, Leistungsabfall oder Unsicherheit vor dem Schulwechsel. Schulische Probleme werden nicht kleiner, wenn sie erst kurz vor dem Zeugnis sichtbar werden. Mehr dazu zeigt auch der Blick auf Schulprobleme in Stuttgart.

  • Eltern sollten Rückmeldungen nicht nur sammeln, sondern mit dem Kind besprechen.
  • Kinder brauchen klare Hinweise, was der nächste Lernschritt ist.
  • Lehrkräfte sollten Kriterien früh und verständlich erklären.
  • Bei Unsicherheit hilft ein Gespräch vor dem Zeugniszeitraum.
  • Beim Schulwechsel zählen Leistung, Entwicklung und Beratung zusammen.

Auch die Sprachförderung wird im Land stärker an den Anfang der Schullaufbahn gerückt. Ab dem Schuljahr 2026/2027 soll SprachFit 2+2 aufwachsend in Klasse 1 starten. Es richtet sich an Kinder mit Förderbedarf im Bereich Sprache und soll eine bessere Teilnahme am Unterricht ermöglichen.

Damit zeigt sich ein größerer Trend. Baden-Württemberg versucht, Leistung nicht erst am Ende eines Lernprozesses zu bewerten, sondern früher zu erkennen, wo Unterstützung nötig ist. Die klassische Note bleibt wichtig. Sie wird aber stärker durch Beratung, Diagnose und Rückmeldung ergänzt.

Checkliste für das Lernentwicklungsgespräch

Mit diesen Fragen können Eltern besser einschätzen, was eine Rückmeldung wirklich bedeutet.

Merksatz: Eine gute Rückmeldung nennt nicht nur das Problem, sondern auch den nächsten machbaren Schritt.

Wichtigste Punkte zum Merken

  • Die klassische Ziffernnote wird in Baden-Württemberg nicht flächendeckend abgeschafft.
  • Der Schulversuch LLr läuft an 43 Grundschulen.
  • Im LLr-Modell gibt es keine Ziffernnoten, aber regelmäßige Leistungsrückmeldungen.
  • Lernentwicklungsgespräche mit Kindern und Eltern sind ein zentraler Bestandteil.
  • Die Notenbildungsverordnung bleibt für die klassische Bewertung wichtig.
  • Beim Übergang auf weiterführende Schulen werden mehrere Kriterien kombiniert.
  • NAVi 4 BW verbindet Kompetenzmessung, Beratung, Elternwille und pädagogische Gesamtwürdigung.
  • Moderne Bewertung soll Lernwege erklären, nicht Leistung ausblenden.

FAQ

Werden Noten in Baden-Württemberg abgeschafft?

Nein. Die klassische Notengebung bleibt in Baden-Württemberg rechtlich geregelt. An ausgewählten Grundschulen wird jedoch im Schulversuch Lernförderliche Leistungsrückmeldung ohne Ziffernnoten gearbeitet.

Was passiert an Grundschulen mit Lernförderlicher Leistungsrückmeldung?

Die Kinder erhalten keine klassischen Ziffernnoten. Stattdessen bekommen sie kontinuierliche mündliche und schriftliche Rückmeldungen zu ihrem Lernstand und zu den nächsten Lernschritten.

Wie viele Grundschulen nehmen am Schulversuch teil?

Nach Angaben des Kultusministeriums Baden-Württemberg sind insgesamt 43 Grundschulen am Schulversuch beteiligt.

Was bedeutet das für Eltern in Stuttgart?

Eltern sollten Rückmeldungen genauer lesen und früh mit Lehrkräften sprechen. Besonders beim Schulwechsel ist wichtig, wie Leistung, Entwicklung und Beratung zusammen bewertet werden.

Bleiben Zeugnisse und Prüfungen vergleichbar?

Ja, die klassische Notengebung bleibt in vielen Bereichen bestehen. Bei Abschlussprüfungen und vielen Schularten werden Leistungen weiterhin nach verbindlichen Vorgaben bewertet.

Warum wird moderne Leistungsbewertung getestet?

Der Ansatz soll zeigen, ob differenzierte Rückmeldungen Motivation, Selbstbild und schulische Leistung von Kindern besser unterstützen können als reine Ziffernnoten.

In Baden-Württemberg bleibt die klassische Notengebung bestehen, wird aber an ausgewählten Grundschulen durch lernförderliche Rückmeldungen ergänzt. Der Schulversuch LLr arbeitet ohne Ziffernnoten und setzt auf Lernstandsdiagnosen, Gespräche und schriftliche Hinweise. Für Familien ist wichtig, dass moderne Bewertung nicht weniger Leistung bedeutet, sondern eine genauere Erklärung von Lernstand und Entwicklung liefern soll.

Quelle: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg; Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg; Regierungspräsidien Baden-Württemberg; Serviceportal Baden-Württemberg.

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