In Marbach fällt Besuchern einer Eisdiele auf, dass ungewöhnlich viele Wespen unterwegs sind. Der Schädlingsbekämpfer Adrian Machal bestätigt, dass die Region Stuttgart derzeit eines der stärksten Wespenjahre seit Langem erlebt. Sein Einsatzgebiet reicht von Stuttgart bis Heilbronn und umfasst auch Städte wie Schwäbisch Hall und Aalen.
Inhaltsverzeichnis:
- Adrian Machal meldet Rekordzahlen an Einsätzen
- Wespenarten und ihre bevorzugten Nistplätze
- Sicherheitsmaßnahmen und persönliche Erfahrungen
- Preisgestaltung und Warnung vor unseriösen Anbietern
Adrian Machal meldet Rekordzahlen an Einsätzen
Seit Juni erhält Machal täglich 100 bis 200 Anrufe – in schwachen Jahren sind es nur 30 bis 50. Er führt den Anstieg auf mehrere Faktoren zurück. Der Frühling war ungewöhnlich trocken. Im März und April fiel kaum Regen. Das begünstigte die Entwicklung der Wespenköniginnen, die Völker mit Tausenden Tieren bilden konnten.
Ein weiterer Auslöser war die Obsternte. Dank der Juli-Regenfälle reifte das Obst besonders gut und fiel früh zu Boden. Dadurch hatten Wespen ideale Bedingungen für den Ausbau ihrer Kolonien. Machal beobachtet, dass die Populationen in diesem Jahr deutlich größer sind als üblich.
Wespenarten und ihre bevorzugten Nistplätze
Nach den Erfahrungen des Fachmanns siedelt sich die gemeine Wespe bevorzugt in Rollokästen an. Die sächsische Wespe baut hingegen frei hängende Kugeln, die bis zur Größe eines doppelten Medizinballs anwachsen können. Die Feldwespe ist an ihren langen Beinen und einem schaukelnden Flug zu erkennen. Sie sucht gerne Unterschlupf unter Blechabdeckungen.
Zur Vorbeugung empfiehlt Machal das Abdichten von Hohlräumen mit Silikon oder Acryl. Effektiver Schutz auf Terrassen sei jedoch kaum möglich. Duftstoffe oder Hausmittel wie angezündeter Kaffee wirken nur selten. Wer regelmäßig Wespen bemerkt, sollte in der Umgebung nach einem Nest suchen.
Sicherheitsmaßnahmen und persönliche Erfahrungen
Machal arbeitet seit 17 Jahren in der Wespenbekämpfung. Seit neun Jahren ist er stichfrei, weil er immer Schutzkleidung aus Leinen und Baumwolle trägt und Lederhandschuhe verwendet. Lediglich der Kopfschutz könne Schwachstellen aufweisen, wenn er zu nah am Gesicht sitzt.
Er warnt eindringlich davor, Nester ohne Schutz zu zerstören.
- Keine hektischen Bewegungen.
- Ruhig bleiben, Wespen mit der Hand oder Rückhand vertreiben.
- Bei Bedarf elektrische Fliegenklatsche nutzen.
- Allergiker sollen besondere Vorsicht walten lassen.
Ohne Genehmigung dürfen bestimmte Arten, wie die Hornisse, nicht entfernt werden. Hier ist eine Ausnahmegenehmigung des Bundesumweltamtes erforderlich.
Preisgestaltung und Warnung vor unseriösen Anbietern
Laut Machal kostet das Entfernen eines Wespennests im Normalfall 100 bis 150 Euro netto. Viele Versicherungen übernehmen die Kosten, außerdem ist es steuerlich absetzbar. Er warnt vor Anbietern, die bis zu 1000 Euro verlangen und nicht aus der Region stammen.
Trotz der hohen Einsatzzahlen betont der Unternehmer, dass er Menschen nicht nur von einem akuten Problem befreit, sondern ihnen auch ein Gefühl der Sicherheit zurückgibt. Für ihn bleibt die Kombination aus praktischer Arbeit und detektivischer Spurensuche besonders reizvoll.
Quelle: Stuttgarter Zeitung, YouTube/ARD Marktcheck