In Stuttgart gewinnt das Fahrrad im Alltag an Bedeutung, doch das Auto bleibt weiterhin das meistgenutzte einzelne Verkehrsmittel. Nach der Erhebung Mobilität in Deutschland 2023 werden rund neun Prozent der Wege der Stuttgarter Wohnbevölkerung mit dem Fahrrad zurückgelegt. Auf den motorisierten Individualverkehr entfallen 36 Prozent. Die Entwicklung lässt sich auch an den städtischen Fahrradzählstellen erkennen. Dort ist das Radverkehrsaufkommen über mehrere Jahre gestiegen. Gleichzeitig wird das Netz aus Radwegen, Fahrradstraßen und freigegebenen Einbahnstraßen erweitert. Ende 2025 waren in Stuttgart rund 366 Kilometer für den Radverkehr nutzbare Strecken vorhanden.
Inhaltsverzeichnis
- Der Radanteil steigt schrittweise
- Stuttgart erweitert das Radnetz
- Pedelecs erleichtern Wege am Hang
- Alltagswege gelingen häufiger ohne Auto
- Fahrrad und VVS ergänzen sich
- Sicherheit bleibt entscheidend
- Wichtigste Punkte zum Merken
- FAQ
Der Radanteil steigt schrittweise
Der Umstieg erfolgt vor allem auf kurzen und mittleren Wegen. Berufstätige fahren zum Arbeitsplatz oder zur nächsten Haltestelle. Familien nutzen Lastenräder für Einkäufe und Kindertransporte. In der Freizeit werden Verbindungen zwischen Stadtbezirken und dem Umland wichtiger. Trotzdem ersetzt das Fahrrad nicht auf jeder Strecke den Pkw. Ein genauer Vergleich von öffentlichem Verkehr und Auto in Stuttgart zeigt, wie stark die passende Wahl von Entfernung, Ziel und Tageszeit abhängt.
Die aktuellen Verkehrsmittelanteile zeigen keine vollständige Abkehr vom Auto. Sie dokumentieren jedoch, dass das Fahrrad einen festen Platz im Stuttgarter Verkehr erreicht hat. Neun Prozent aller Wege der Wohnbevölkerung werden mit dem Rad zurückgelegt. Zu Fuß sind es 32 Prozent, mit öffentlichen Verkehrsmitteln 23 Prozent und mit Auto oder Motorrad 36 Prozent.
Damit werden bereits 64 Prozent der Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt. Die Werte beschreiben alle Wege unabhängig von ihrer Länge. Bei kurzen Strecken besitzt das Fahrrad einen größeren praktischen Vorteil als bei weiten Pendelwegen aus der Region.
Das Statistische Amt meldete für Ende 2024 rund 430 zugelassene Pkw je 1000 Einwohner. Der Pkw-Bestand war gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Die Daten zeigen deshalb ein gemischtes Bild. Mehr Radverkehr bedeutet bislang nicht automatisch weniger zugelassene Autos. Viele Haushalte nutzen das Fahrrad ergänzend und lassen den Wagen bei geeigneten Wegen stehen.
| Kennzahl | Aktueller Stand | Bedeutung für den Alltag |
|---|---|---|
| Wege mit dem Fahrrad | rund 9 Prozent | Das Rad ist ein etabliertes Verkehrsmittel, bleibt aber deutlich hinter dem Auto |
| Motorisierter Individualverkehr | rund 36 Prozent | Der Pkw bleibt für viele längere und komplexe Wege wichtig |
| Nutzbare Radverkehrsstrecken | rund 366 Kilometer Ende 2025 | Mehr Verbindungen erleichtern Fahrten zwischen den Bezirken |
| Freigegebene Einbahnstraßen | 310 Straßen | Direktere Wege verkürzen Fahrten durch Wohngebiete |
| Automatische Zählstellen | 15 Standorte | Die Stadt kann Veränderungen des Radverkehrs laufend beobachten |
Stuttgart erweitert das Radnetz
Zwischen Oktober 2023 und Ende 2025 nahm die Gesamtlänge der für Fahrräder nutzbaren Strecken auf rund 366 Kilometer zu. Im Doppelhaushalt 2024 und 2025 wurden nach Angaben der Stadt 87 Infrastrukturmaßnahmen fertiggestellt. Dazu gehörten Radfahrstreifen, Fahrradstraßen, neue Markierungen und Verbesserungen an bestehenden Verbindungen.
Knapp zwölf Millionen Euro standen in diesem Zeitraum für investive Maßnahmen im Radverkehr bereit. Die Mittel wurden vollständig ausgeschöpft. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Hauptradroutennetz. Es soll Stadtteile mit der Innenstadt verbinden und möglichst verständliche durchgehende Strecken schaffen.
Ein sichtbares Beispiel ist die Hauptradroute 2 von der Innenstadt in Richtung Hedelfingen. Entlang der Ulmer Straße in Wangen wird der Straßenraum neu geordnet. Beidseitige Radfahrstreifen sollen eine Lücke zwischen bereits ausgebauten Abschnitten schließen. Auch der erste Abschnitt der Radschnellverbindung über Degerloch und Sillenbuch in Richtung Ostfildern wurde 2025 fertiggestellt. Der rund zwei Kilometer lange Abschnitt ist vom Autoverkehr getrennt.
Für Freizeitfahrten entstehen dadurch ebenfalls neue Möglichkeiten. Wer passende Abschnitte und Ziele sucht, findet unter Stuttgart mit dem Rad am Wochenende Anregungen für Strecken, die sich nicht nur für den Arbeitsweg eignen.
- Neue Radfahrstreifen schließen Lücken an stärker befahrenen Straßen.
- Fahrradstraßen geben dem Radverkehr auf ausgewählten Verbindungen mehr Raum.
- Geöffnete Einbahnstraßen verkürzen Wege innerhalb der Stadtbezirke.
- Markierungen und angepasste Knotenpunkte sollen Konflikte früher sichtbar machen.
- Radschnellverbindungen verbessern längere Strecken zwischen Stadt und Umland.
Pedelecs erleichtern Wege am Hang
Die Topografie bleibt eine Besonderheit Stuttgarts. Zwischen dem Talkessel, den Höhenlagen und den äußeren Bezirken müssen teilweise deutliche Steigungen bewältigt werden. Ein herkömmliches Fahrrad ist deshalb nicht für jeden Weg und jede Person gleich geeignet. Pedelecs verringern diese Hürde, weil der Motor beim Treten bis zur gesetzlich vorgesehenen Unterstützungsgrenze hilft.
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Das öffentliche Verleihsystem RegioRadStuttgart bietet Fahrräder, Pedelecs und elektrische Lastenräder an. Anfang 2026 gab es in Stuttgart 111 Stationen. Sie verteilen sich über das Stadtgebiet und befinden sich auch in Hanglagen. In allen beteiligten Kommunen standen an knapp 190 Stationen rund 1000 Fahrräder, 600 Pedelecs und 35 elektrische Lastenräder bereit.
Leihsysteme sind besonders für Menschen interessant, die kein eigenes Rad unterstellen können oder nur einen Teil ihrer Strecke fahren möchten. Digitale Standortanzeigen helfen bei der Suche nach verfügbaren Rädern und freien Rückgabeplätzen. Weitere Orientierung bieten nützliche Apps für Stuttgart.
Lastenräder erweitern den Einsatzbereich. Einkäufe, Gepäck und Kinder lassen sich damit befördern, wenn das Rad dafür zugelassen und passend ausgestattet ist. Das frühere städtische Förderprogramm für neue elektrische Lastenräder endete am 31. Dezember 2025. Bereits bewilligte Nachhaltigkeitsboni können unter den festgelegten Bedingungen weiterhin relevant sein.
Alltagswege gelingen häufiger ohne Auto
Ob das Fahrrad den Pkw ersetzen kann, entscheidet sich nicht allein an der Entfernung. Eine sichere Route, ein trockener Abstellplatz und die Möglichkeit zum Umziehen können wichtiger sein als wenige zusätzliche Kilometer. Bei Einkäufen zählen außerdem Transportvolumen und Gewicht.
Das größte Potenzial liegt bei regelmäßig wiederkehrenden Wegen, deren Ziel und Verlauf bereits bekannt sind. Dazu gehören Fahrten zur Arbeit, zur Schule, zum Sport, zum Bahnhof oder zu Geschäften im eigenen Stadtbezirk. Wer dieselbe Strecke mehrmals fährt, kennt schwierige Kreuzungen und kann eine ruhigere Alternative planen.
Fahrrad oder Auto im Stuttgarter Alltag?
Die passende Wahl hängt von Strecke, Gepäck, Wetter und verfügbarer Infrastruktur ab.
| Kriterium | Fahrrad | Auto |
|---|---|---|
| Kurze Stadtstrecke | Direkter Start und einfache Parkplatzsuche | Parkplatz und Verkehr können Zeit kosten |
| Stuttgarter Hanglage | Mit Pedelec leichter zu bewältigen | Unabhängig von der Steigung |
| Kleine Einkäufe | Korb, Taschen oder Anhänger reichen häufig aus | Mehr Platz für schwere Waren |
| Fahrt zur Haltestelle | Gut mit dem VVS kombinierbar | Park-and-ride kann eine Alternative sein |
| Großer Transport | Lastenrad erforderlich | Für große Mengen meist praktischer |
- Start und Ziel im städtischen Radroutenplaner prüfen.
- Neben der kürzesten auch eine verkehrsärmere Verbindung vergleichen.
- Steigungen, Baustellen und sichere Abstellmöglichkeiten berücksichtigen.
- Für den Rückweg eine Verbindung mit Bus oder Bahn einplanen.
- Erst nach mehreren Fahrten entscheiden, ob der Pkw dauerhaft stehen bleiben kann.
Viele längere Wege müssen nicht vollständig mit einem Verkehrsmittel zurückgelegt werden. Das Fahrrad kann die Strecke zur S-Bahn oder Stadtbahn verkürzen. Am Ziel übernimmt es den letzten Abschnitt. Dieses Modell ist vor allem für Pendler aus Stadtteilen und Nachbarkommunen interessant.
Im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart ist die Fahrradmitnahme montags bis freitags vor 6 Uhr und nach 9 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen grundsätzlich kostenlos. Wer ein Fahrrad an Werktagen zwischen 6 und 9 Uhr mitnimmt, benötigt nach den veröffentlichten VVS-Regeln ein Kinderticket für die entsprechenden Zonen. Einschränkungen können durch volle Fahrzeuge, Bauarbeiten oder die eingesetzte Fahrzeugart entstehen.
Vor einer Fahrt sollte deshalb geprüft werden, ob die Mitnahme auf der gewählten Verbindung möglich ist. Praktische Hinweise bietet der Überblick mit Bus und Bahn durch Stuttgart. Für Ziele außerhalb des Stadtgebiets hilft außerdem eine Planung der Region Stuttgart ohne Stress.
- Fahrplan und aktuelle Verkehrsmeldungen vor dem Start kontrollieren.
- Stoßzeiten möglichst vermeiden, wenn ein Fahrrad mitgenommen werden soll.
- Am Bahnsteig gekennzeichnete Mehrzweckbereiche beachten.
- Kinderwagen und Rollstühle haben bei begrenztem Platz Vorrang.
- Alternativ sichere Abstellplätze an der Haltestelle nutzen.
Sicherheit bleibt entscheidend
Eine steigende Zahl von Radfahrenden erhöht den Bedarf an durchgehenden und verständlichen Verbindungen. Einzelne gute Abschnitte reichen nicht aus, wenn an einer großen Kreuzung eine sichere Weiterführung fehlt. Besonders wichtig sind Sichtbeziehungen, ausreichend Abstand zu parkenden Fahrzeugen und klar erkennbare Verkehrsflächen.
In Stuttgart erfassen 15 automatische Zählstellen das Radverkehrsaufkommen an wichtigen Strecken. Die Daten helfen der Verwaltung dabei, jahreszeitliche Veränderungen, Wettereinflüsse und die Nutzung neuer Verbindungen zu bewerten. Sie zeigen allerdings nicht automatisch, warum einzelne Menschen das Rad wählen oder meiden.
Die Stadt nennt komplexe Planungen, begrenzte Ressourcen und notwendige Abstimmungen weiterhin als Herausforderungen. Neue Radwege können Änderungen bei Parkplätzen, Fahrspuren, Lieferzonen oder Haltestellen erfordern. Dadurch verlängert sich bei größeren Projekten häufig die Vorbereitung.
Der einfache Umstieg in drei Fahrten
Teste einen regelmäßigen Weg schrittweise, bevor du das Auto dauerhaft stehen lässt.
Erst testen, dann die regelmäßige Verkehrsmittelwahl ändern
Auch das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer bleibt entscheidend. Beim Überholen von Fahrrädern gelten innerorts mindestens 1,5 Meter Seitenabstand. Radfahrende sollten mit ausreichendem Abstand an parkenden Autos vorbeifahren, um auf plötzlich geöffnete Türen reagieren zu können. An Kreuzungen ist besondere Vorsicht gegenüber abbiegenden Lastwagen und Bussen nötig.
Für viele Beschäftigte wird das Fahrrad attraktiver, wenn Bewegung direkt in den Tagesablauf passt. Ergänzende Möglichkeiten zeigt der Beitrag über Sport nach Feierabend in Stuttgart. Der Nutzen entsteht dabei nicht durch sportliche Höchstleistung, sondern durch regelmäßig zurückgelegte Wege.
Wichtigste Punkte zum Merken
- Rund neun Prozent der Wege der Stuttgarter Wohnbevölkerung entfallen auf das Fahrrad.
- Der motorisierte Individualverkehr erreicht weiterhin einen Anteil von 36 Prozent.
- Ende 2025 waren rund 366 Kilometer für den Radverkehr nutzbare Strecken vorhanden.
- In den Jahren 2024 und 2025 wurden 87 Infrastrukturmaßnahmen fertiggestellt.
- Pedelecs erleichtern Fahrten zwischen dem Talkessel und höher gelegenen Stadtteilen.
- RegioRadStuttgart verfügte Anfang 2026 über 111 Stationen im Stadtgebiet.
- Das Fahrrad ersetzt den Pkw vor allem auf kurzen und regelmäßig wiederkehrenden Wegen.
- Die Verbindung mit Stadtbahn, S-Bahn und Regionalverkehr erweitert den möglichen Aktionsradius.
- Durchgehende Routen und sichere Kreuzungen bleiben für einen weiteren Anstieg entscheidend.
Stuttgart entwickelt sich schrittweise von einer stark vom Auto geprägten Stadt zu einer Stadt mit größerer Auswahl bei der täglichen Mobilität. Das Fahrrad erreicht neun Prozent der Wege, während Auto und Motorrad weiterhin bei 36 Prozent liegen. Mehr Radverkehrsstrecken, Pedelecs, Leihangebote und bessere Verbindungen zum öffentlichen Verkehr erleichtern den Umstieg. Ob der Pkw tatsächlich stehen bleibt, hängt vor allem von der Sicherheit, der Entfernung, der Topografie und dem jeweiligen Transportbedarf ab.
Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart, Fuß- und Radverkehrsbericht 2025, Mobilität in Deutschland 2023, Statistisches Amt der Landeshauptstadt Stuttgart, Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart