Königsbau am Schlossplatz beim historischen Spaziergang durch Stuttgart
Der Schlossplatz ist ein zentraler Ausgangspunkt für den historischen Stadtrundgang. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Ein Spaziergang durch die Stuttgarter Innenstadt führt auf engem Raum durch mehr als ein Jahrtausend Stadtgeschichte. Zwischen Schlossplatz, Schillerplatz, Stiftskirche, Markthalle und Bohnenviertel liegen mittelalterliche Ursprünge, fürstliche Repräsentation, Wiederaufbau und moderne Stadtkultur direkt nebeneinander. Die Route eignet sich für einen eigenständigen Rundgang und lässt sich ohne komplizierte Planung bewältigen. Wer danach weitere Wege kennenlernen möchte, findet bei den besten Spaziergängen durch Stuttgart zusätzliche Ideen für unterschiedliche Stadtteile und Tageszeiten.

Inhaltsverzeichnis

Die Route durch die Stuttgarter Innenstadt

Besonders deutlich wird die Entwicklung der Stadt dort, wo historische Fassaden, öffentliche Plätze und heutige Nutzungen aufeinandertreffen. Einen ergänzenden Blick auf die Quartiere bietet der Beitrag über Stuttgarts spannendste Stadtviertel. Wer die Lage der Innenstadt im Talkessel verstehen möchte, kann den Rundgang außerdem mit einem Blick auf Stuttgart von oben verbinden.

Ein guter Ausgangspunkt ist der Schlossplatz. Von dort führt der Weg zum Neuen Schloss und weiter zum Schillerplatz. Danach folgen der Innenhof des Alten Schlosses, die Stiftskirche, die Markthalle und der Marktplatz. Das Hegel-Haus und das Bohnenviertel bilden einen passenden Abschluss.

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Die einzelnen Stationen liegen so nah beieinander, dass nicht die Wegstrecke, sondern das genaue Hinsehen den Charakter des Spaziergangs bestimmt. Viele historische Spuren befinden sich an Fassaden, in Durchgängen, auf Plätzen und in Innenhöfen. Der Rundgang funktioniert deshalb auch dann, wenn Museen oder Kirchen gerade geschlossen sind.

Reihenfolge Station Historischer Schwerpunkt Darauf lohnt sich der Blick
1 Schlossplatz Vom Exerzierplatz zum öffentlichen Stadtraum Jubiläumssäule, Brunnen, Sichtachsen
2 Neues Schloss Herzogliche und königliche Residenz Ehrenhof, Flügelbau, Stilwechsel
3 Schillerplatz und Altes Schloss Mittelalterlicher Stadtkern und Renaissance Arkadenhof, Rundtürme, Kanzleibogen
4 Stiftskirche Kirchengeschichte und Reformation Ungleiche Türme, Bauphasen, Grabmäler
5 Markthalle und Marktplatz Versorgung, Handel und Wiederaufbau Jugendstil, Hallenkonstruktion, Rathausfront
6 Hegel-Haus und Bohnenviertel Geistesgeschichte und Alltagsleben Altbauten, kleine Höfe, historische Straßenräume

Schlossplatz und Neues Schloss zeigen fürstliche Macht

Der Schlossplatz ist heute ein zentraler Treffpunkt mit Rasenflächen, Baumreihen, Brunnen und freien Sichtachsen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Fläche jedoch als Parade- und Exerzierplatz. Erst in den 1860er Jahren entwickelte sie sich zu einer Gartenanlage.

In der Mitte steht die rund 30 Meter hohe Jubiläumssäule. Sie wurde zunächst 1841 als hölzerne Festsäule zu Ehren von König Wilhelm I. errichtet. Später ersetzte ein steinernes Monument die erste Konstruktion. Die Figur der Concordia kam erst danach hinzu.

Das Neue Schloss bildet die repräsentative Kulisse des Platzes. Herzog Carl Eugen von Württemberg verlangte nach seiner Ankunft in Stuttgart im Jahr 1744 einen neuen Herrschaftssitz. Der italienische Architekt Leopoldo Retti entwarf eine Dreiflügelanlage mit großem Ehrenhof. Die lange Baugeschichte erklärt das Nebeneinander von Barock, Rokoko und Klassizismus.

Das Neue Schloss steht nicht nur für höfische Macht, sondern auch für die schwierige Entscheidung zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Gebäude war stark beschädigt. Der Landtag von Baden-Württemberg beschloss den Wiederaufbau 1957 mit nur einer Stimme Mehrheit. Heute werden Teile des Schlosses von Landesministerien genutzt.

Für den Spaziergang lohnt sich eine langsame Runde durch den Ehrenhof. Von dort wird sichtbar, wie stark Architektur auf Wirkung ausgerichtet war. Symmetrie, breite Flügel und die Öffnung zum Schlossplatz sollten Größe und Ordnung vermitteln.

Schillerplatz und Altes Schloss führen zum Ursprung der Stadt

Nur wenige Schritte entfernt liegt der Schillerplatz. Hier treffen Stiftskirche, Fruchtkasten, Alte Kanzlei, Prinzenbau und Altes Schloss auf engem Raum zusammen. Die Platzanlage wirkt geschlossen und vermittelt ein deutlich anderes Stadtbild als der weitläufige Schlossplatz.

Der Name Stuttgart verweist auf den historischen Stutengarten. An dieser Stelle entwickelte sich aus einem Gestüt und einer befestigten Anlage schrittweise die Stadt. Das Alte Schloss geht auf eine Wasserburg des 10. Jahrhunderts zurück. Sie sollte den Stutengarten schützen.

Im 16. Jahrhundert ließ Herzog Christoph von Württemberg die Anlage zu einer repräsentativen Renaissance-Residenz umbauen. Aus dieser Phase stammen die charakteristischen Rundtürme und die Arkadengänge im Innenhof. Auch die große Reitertreppe gehört zu den bemerkenswerten Elementen. Über sie konnten Gäste zu Pferd in Richtung Rittersaal gelangen.

Der Innenhof des Alten Schlosses ist einer der wichtigsten Orte des Rundgangs, weil hier mittelalterliche Befestigung, Renaissance-Architektur und heutige Museumsnutzung unmittelbar zusammenkommen. Das Gebäude beherbergt das Landesmuseum Württemberg und das Kindermuseum Junges Schloss.

Am Schillerplatz steht außerdem das Schillerdenkmal. Die offizielle touristische Darstellung bezeichnet es als erste Schillerstatue Deutschlands. Wer den Platz umrundet, erkennt zudem den Kanzleibogen. Der barocke Durchgang verbindet den historischen Bereich mit der Königstraße und zeigt, wie alte Wege noch heute den Fußverkehr lenken.

Die Stiftskirche verbindet Mittelalter und Reformation

Die evangelische Stiftskirche gilt als ältester und größter Kirchenbau Stuttgarts. Der genaue Zeitpunkt der Gründung ist nicht überliefert. Die Anfänge werden in das 10. oder 11. Jahrhundert eingeordnet. Im Jahr 1240 wurde die damalige Dorfkirche zu einer herrschaftlichen Kirche mit drei Schiffen ausgebaut.

Stiftskirche und Schillerdenkmal am Schillerplatz in Stuttgart
Die Stiftskirche und der Schillerplatz gehören zu den wichtigsten Stationen des historischen Rundgangs. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Besonders auffällig sind die beiden ungleichen Türme. Der Südturm besitzt einen viereckigen Grundriss und ein Spitzdach. Der Westturm ist achteckig und trägt ein flaches Dach. Ein geplanter spitzer Turmhelm wurde nicht vollendet. Die Reformation stoppte die damaligen Bauarbeiten.

Die Stiftskirche wurde über Jahrhunderte erweitert, verändert, beschädigt und wiederaufgebaut. Deshalb lässt sich an ihr keine einzelne Epoche ablesen. Gerade diese Schichtung macht sie zu einem Schlüsselbau der Innenstadt.

  • Die äußere Form zeigt mehrere Bauphasen.
  • Die Türme machen den Wandel der Baupläne sichtbar.
  • Die Kirche steht für die religiöse und politische Geschichte Württembergs.
  • Die Tradition der Turmbläser reicht bis 1618 zurück.

Wer neu in der Stadt ist, kann den Rundgang mit praktischen Hinweisen zu Stuttgart für Neuzugezogene ergänzen. Die historische Mitte erklärt viele Ortsnamen, Wege und Gewohnheiten, die im Alltag sonst leicht übersehen werden.

Markthalle und Marktplatz erzählen vom bürgerlichen Stuttgart

Die Markthalle steht für eine andere Phase der Stadtentwicklung. Sie wurde 1914 eröffnet, um die Versorgung der rasch wachsenden Bevölkerung zu verbessern. Der Bau des Architekten Martin Elsaesser verbindet Jugendstilformen mit einer damals modernen Konstruktion.

Im Inneren spannt sich ein lichtdurchfluteter Verkaufsraum ohne Stützpfeiler auf. Das Glasdach wird von Stahlbetonträgern getragen. Die technische Lösung zeigt, dass die Halle nicht nur ein dekoratives Gebäude, sondern auch ein funktionaler Großraum für Handel und Versorgung war.

Die Markthalle wäre Anfang der 1970er Jahre beinahe verschwunden. Der Gemeinderat entschied 1971 mit nur einer Stimme Mehrheit für den Erhalt. Seit 1972 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Unter dem Dach befinden sich außerdem noch rund 20 Meter alter Straßenbahngleise. Über solche Gleise wurden früher Waren angeliefert.

Vom Eingang der Markthalle ist der Marktplatz schnell erreicht. Das heutige Rathaus wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs neu errichtet und 1956 eingeweiht. Damit steht der Platz für den Wiederaufbau der kommunalen Mitte. Historische und moderne Elemente liegen hier enger zusammen, als es die einheitliche Platzwirkung zunächst vermuten lässt.

Ort Historische Phase Entscheidender Wandel Heutige Bedeutung
Altes Schloss Mittelalter und Renaissance Umbau der Wasserburg zur Residenz Landesmuseum und Erinnerungsort
Neues Schloss 18. und 19. Jahrhundert Wiederaufbau nach schwerer Kriegszerstörung Sitz von Landesministerien
Stiftskirche Seit dem Mittelalter Umbauten und Einschnitte durch die Reformation Zentrale evangelische Kirche
Markthalle Frühes 20. Jahrhundert Erhalt statt Abriss im Jahr 1971 Handel, Genuss und Baudenkmal
Rathaus Nachkriegszeit Neubau und Einweihung 1956 Kommunales Zentrum der Stadt

Hegel-Haus und Bohnenviertel erweitern den historischen Blick

Vom Marktplatz führt der Weg in Richtung Eberhardstraße. Dort steht das Geburtshaus von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der Philosoph wurde 1770 in Stuttgart geboren. Das denkmalgeschützte Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist heute als Museum Hegel-Haus eingerichtet.

Die Station erweitert den Rundgang um die Geistesgeschichte. Stuttgart war nicht nur Residenz- und Verwaltungsstadt. Die Stadt war auch Geburtsort einer Persönlichkeit, deren Werk die europäische Philosophie nachhaltig prägte. Das Museum verbindet historische Exponate mit interaktiven Vermittlungsformen.

Danach lohnt sich der Übergang ins Bohnenviertel. Der Name erinnert an die ärmere Bevölkerung, die in ihren Gärten Bohnen anbaute. Später prägten Handwerk, Kleinhandel, Weinwirtschaft und kleinteilige Wohnbebauung das Viertel.

In den 1970er Jahren gab es Pläne für eine weitgehende Überbauung. Bürgerinnen und Bürger setzten sich jedoch für den Erhalt eines gemischten Innenstadtquartiers ein. Innenhöfe wurden begrünt, der Verkehr wurde beruhigt und Teile des Altbaubestands blieben erhalten.

Das Bohnenviertel zeigt, dass Stadtgeschichte nicht nur in Schlössern und Denkmälern steckt, sondern auch in Wohnformen, kleinen Läden, Höfen und der Nutzung ganzer Straßenzüge. Gerade deshalb bildet es einen passenden Kontrast zum repräsentativen Schlossplatz.

So lässt sich der Rundgang sinnvoll planen

Der Weg kann am Hauptbahnhof, am Schlossplatz oder am Marktplatz begonnen werden. Für die historische Reihenfolge ist der Schlossplatz besonders geeignet. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann sich vorab über das Unterwegssein mit Bus und Bahn durch Stuttgart informieren.

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  1. Am Schlossplatz zuerst die gesamte Platzanlage betrachten.
  2. Den Ehrenhof des Neuen Schlosses von mehreren Seiten ansehen.
  3. Über den Schillerplatz in den Innenhof des Alten Schlosses gehen.
  4. Die unterschiedlichen Türme der Stiftskirche vergleichen.
  5. In der Markthalle auf Konstruktion, Empore und historische Details achten.
  6. Am Marktplatz den Übergang zur Nachkriegsarchitektur beobachten.
  7. Den Rundgang über Hegel-Haus und Bohnenviertel abschließen.

Für einen ruhigen Rundgang sind Werktage am Vormittag oft übersichtlicher als stark besuchte Zeiten. Öffnungszeiten von Museen, Kirchen und der Markthalle können sich ändern. Vor einem geplanten Innenbesuch sollten daher die offiziellen Seiten der jeweiligen Einrichtungen geprüft werden.

  • Bequeme Schuhe helfen auf längeren Pflasterabschnitten.
  • Ein Stadtplan erleichtert kleine Abstecher zu Karlsplatz und Leonhardsviertel.
  • Bei Regen bleiben Innenhof, Kirchenraum und Markthalle wichtige Zwischenstationen.
  • Für Architekturdetails lohnt sich ein Fernglas oder die Zoomfunktion des Smartphones.

Die Route kann ohne Museumseintritt als reiner Stadtrundgang genutzt werden. Wer tiefer einsteigen möchte, verbindet den Weg mit dem Landesmuseum Württemberg, dem Hegel-Haus oder einer offiziellen Stadtführung.

Wichtigste Punkte zum Merken
  • Der Schlossplatz war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Parade- und Exerzierplatz.
  • Das Neue Schloss vereint Barock, Rokoko und Klassizismus.
  • Der Wiederaufbau des Neuen Schlosses wurde 1957 mit knapper Mehrheit beschlossen.
  • Das Alte Schloss geht auf eine Wasserburg des 10. Jahrhunderts zurück.
  • Die Stiftskirche zeigt Bauphasen vom Mittelalter bis in die Neuzeit.
  • Die Markthalle wurde 1914 eröffnet und 1971 vor dem Abriss bewahrt.
  • Das Hegel-Haus erinnert an den 1770 in Stuttgart geborenen Philosophen.
  • Das Bohnenviertel bewahrt Spuren des kleinteiligen Wohnens und Arbeitens.

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Vier Fragen führen durch die wichtigsten Stationen des Stadtrundgangs.

1. Welcher Platz eignet sich als Ausgangspunkt des Rundgangs?

2. Welches Gebäude geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück?

3. Welches Bauwerk wurde 1914 eröffnet?

4. Welcher Philosoph wurde 1770 in Stuttgart geboren?

Historischer Rundgang durch Stuttgarts Zentrum

Der Rundgang zeigt zentrale Stationen der Innenstadt rund um Königstraße, Schlossplatz, Markthalle und Schillerplatz.

Der Rundgang vermittelt einen direkten Eindruck von den Plätzen, Straßen und historischen Bauwerken im Zentrum. Quelle: Kanal „my delicious trips“.

FAQ

Wo beginnt der historische Spaziergang durch Stuttgart am besten?

Der Schlossplatz ist ein geeigneter Startpunkt. Von dort sind das Neue Schloss, der Schillerplatz und das Alte Schloss direkt erreichbar.

Welche Station zeigt die ältesten Spuren der Stadt?

Das Alte Schloss und die Stiftskirche führen besonders weit zurück. Beide Orte haben Ursprünge im frühen Mittelalter.

Kann der Rundgang ohne Eintritt absolviert werden?

Ja. Plätze, Fassaden, Durchgänge und viele Innenhöfe lassen sich frei betrachten. Ein Eintritt wird erst für einzelne Museen oder Ausstellungen benötigt.

Warum ist die Markthalle historisch wichtig?

Sie wurde 1914 für die Versorgung der wachsenden Stadt eröffnet. Ihre Architektur, die erhaltenen Gleisreste und die Entscheidung gegen den Abriss machen sie zu einem wichtigen Baudenkmal.

Was macht das Bohnenviertel für den Rundgang interessant?

Das Viertel ergänzt die Geschichte der Herrschaftsbauten um den Alltag früherer Bewohner, Handwerker und Händler. Es zeigt außerdem die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements für den Erhalt eines Quartiers.

Ein historischer Spaziergang durch Stuttgart verbindet die frühen Spuren des Stutengartens mit der Residenzgeschichte Württembergs, der Reformation, dem Wachstum der Großstadt und dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Die wichtigsten Stationen liegen im Zentrum dicht beieinander. Schlossplatz, Altes Schloss, Stiftskirche, Markthalle, Hegel-Haus und Bohnenviertel zeigen unterschiedliche Epochen, ohne dass lange Wege nötig sind.

Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart zu Schlossplatz, Neuem Schloss, Stiftskirche, Markthalle, Rathaus und Hegel-Haus, Stuttgart-Marketing GmbH zum Rundgang durch Stuttgart-Mitte und zum Bohnenviertel sowie Landesmuseum Württemberg zum Alten Schloss.

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